Die falsche Berücksichtigung des induzierten Verkehrs bei der Bundesverkehrswegeplanung

In einem etwas älteren Artikel hat Prof. Dr.-Ing. Gert Marte zu Grundsätzen der Verkehrsplanung/Verkehrsentwicklung Stellung bezogen, die meiner Meinung auch heute noch Gültigkeit haben bzw.  diskussionswert sind:

„Im Idealfall müssten Verkehrsmodelle und Bewertungsverfahren das Verhalten der Menschen im Verkehr und die Bewertung der Vor- und Nachteile so gut wie möglich nachbilden. Sie könnten dann als gemeinsame Basis für die politische Diskussion dienen, indem auf der Basis gleicher Verkehrsmodelle und Bewertungsverfahren unterschiedliche Verkehrskonzepte verglichen würden.

Die Erfahrung hat nun gezeigt, dass z.B. vom BUND viele Straßenbauprojekte vehement abgelehnt werden, obwohl Planungsverfahren ihre dringende Notwendigkeit nachweisen. Diesen Widerspruch gilt es aufzuklären. Entweder enthalten die Planungsverfahren gravierende Fehler oder der BUND irrt sich. Es könnte auch sein, dass Bevölkerungsgruppen die Vor- und Nachteile von Straßenbaumaßnahmen unterschiedlich einschätzen. Wenn das der Fall wäre, dann müßten die Planungsverfahren diese Unterschiede ausweisen. Dies ist bisher nicht der Fall.

Bei einer Analyse der derzeit üblichen Planungsverfahren stellt man fest, dass sie durch politische Einflussnahme gezielt gefälscht werden, um einen möglichst hohen Nutzen von Straßenbaumaßnahmen vorzutäuschen. Der induzierte Verkehr wurde bisher gar nicht und soll in Zukunft nur zu einem sehr geringen Teil berücksichtigt werden, da eine volle Berücksichtigung des induzierten Verkehrs zu einer dramatischen Verringerung der Nutzen-Kosten-Verhältnisse führen würde. Viele Straßenbaumaßnahmen könnten bei voller Berücksichtigung des induzierten Verkehrs volkswirtschaftlich nicht mehr begründet werden. Planungsverfahren ohne Berücksichtigung des induzierten Verkehrs sind also Teil der Straßenbaupropaganda und täuschen ihren wissenschaftlichen Charakter nur vor. Es ist deshalb kein Wunder, dass Straßenbaukritiker Planungsverfahren häufig grundlegend ablehnen.

Der BUND fordert eine Reduzierung des Straßenbaus und eine Überprüfung aller schon bewerteten Projekte der Bundesverkehrswegeplanung. Diese Forderung könnte man wissenschaftlich untermauern, wenn man den induzierten Verkehr voll berücksichtigen würde. Es wäre damit zu rechnen, dass viele Projekte aus dem dringenden Bedarf herausfallen und auf ihre Realisierung verzichtet werden könnte. Auch eine Überprüfung aller alten Projekte könnte dann nicht mehr abgelehnt werden.

Leider hat das Umweltbundesamt bisher nicht untersucht, wie sich die Berücksichtigung des induzierten Verkehrs auf die Nutzen-Kosten-Verhältnisse auswirkt. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der BUND bisher widerspruchslos hingenommen hat, dass der induzierte Verkehr bei der Bundesverkehrswegeplanung nur zu einem sehr geringen Teil berücksichtigt werden soll. Natürlich wird vom BMVBW auch nicht ausdrücklich auf diesen Punkt hingewiesen. Man muss das Kleingedruckte lesen, um die Fälschung zu erkennen.“

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Hintergründe, Information, Verfahren abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die falsche Berücksichtigung des induzierten Verkehrs bei der Bundesverkehrswegeplanung

  1. Paulaine schreibt:

    ein wertvoller Hinweis!

    gibt es noch mehr in dieser Qualität und Ausführlichkeit?

    weiter so, echt gute Informationsquelle!!

    Gruß

    Paulaine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.