Gastkommentar: „Mobilität als Schwerpunkt“ = Motto des Bürgerempfangs 2012?

dieser Kommentar hat uns Urs zu geschickt:

„Mobilität als Schwerpunkt“ = Motto des Bürgerempfangs 2012? von Urs

nach dem Worten von OB Bosch zumindest. Wenn man unter Mobilität nur den Individualverkehr (Auto und LKW) versteht, dann sicherlich, da muss man sie ernst nehmen.
Meint sie doch die anderen Verkehrsteilnehmer auch? Wenn man sich die Äusserungen genauer anschaut, dann wohl weniger!

Oder wie ist es zu verstehen, dass Frau Bosch in einem Atemzug dazu sagt:

„so will die Verwaltung in diesem Jahr die Ergebnisse der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans vorgelegen, diese sollen auch Aufschluss geben, „wie wir die Verkehrsströme nach Inbetriebnahme des Scheibengipfeltunnels lenken wollen und welche baulichen Maßnahmen dafür rechtzeitig in Angriff genommen werden sollen“.

und „»Hinzu kam zuletzt, dass die Ergebnisse aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb City Nord mit einer möglichen Verlagerung von Verkehr von der Karlstraße auf die Burkhardt+Weber-Straße“

klar, hier handelt es sich NUR um den Auto-/LKW-Verkehr!

Nicht darum das wirkliche Hauptproblem anzupacken, sondern um die „gerechtere“ Verteilung des des stinkenden und lärmenden (Individual-)Verkehrs, bzw. die weitere Förderung desselben.

Verdeutlicht wird die Einseitigkeit der Sichtwesie zur Mobilität bei den Äusserungen zum Steg zwischen der Ecke Alteburg-/Lederstraße und dem Tübinger Tor:

„Dass der Steg vor dem Tübinger Tor abgerissen werde, sei längst beschlossen, dies habe in der Bürgerbeteiligung auch keine nennenswerte Kritik ausgelöst“ so ihr Kommentar zum Grummeln in der Menge und:
„Es gebe noch keine Entscheidung, dass auch der Steg über die Konrad-Adenauer-Straße abgebaut werde. Die bisherige Planung gehe davon aus, diese Überquerung zu erhalten (?). Der Gemeinderat habe die Verwaltung beauftragt zu prüfen, was ein kompletter Abriss bedeuten würde. Dieser Antrag werde jetzt untersucht, die Argumente für und wider sorgfältig abgewogen.“
sowie:
„Und wenn die Verkehrssicherheit der vielen Schülerinnen und Schüler, die diesen Steg benutzen, bei einem Abbruch nicht mehr gewährleistet ist, dann bleibt es bei dieser Planung „Sicherheit geht vor.“

Aha, das ist interessant:

  • erst abreisen,
  • dann nachdenken, ob das für die Mehrzahl die bessere Lösung ist
  • dann sich von Gemeinderäten den Auftrag geben lassen, das mal zu untersuchen
  • und zwar nur für eine Gruppe der Nutzer (hier Schüler), dass es z.B. Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschieber, Menschen mit Geh- und Sehbehinderungen, usw. geben könnte, kommt wohl nicht in den Sinn.

Ich bezweifle, dass Frau Bosch, Frau Hotz (als verantwortliche Baudezernentin) und ein Großteil der Gemeinderäte in der letzten Zeit diese Kreuzung (nicht über den Steg) überquert haben UND z.B. in eine Rollstuhl gesessen haben oder mit verbundenen Augen und einem Blindenstock sich den Weg gesucht haben (oder es sich dies mal verinnertlich haben). Ansonsten würden sie das nicht mit der Sichtbeeinträchtigung von der Stadthalle auf das Tübinger Tor („städtebaulich“) begründen.

Auch wenn der Steg über der Konrad-Adenauer-Straße stehen gelassen würde, wie kommen die obengenannten Nutzergruppen an der Stadthalle wieder runter vom Steg?

Noch ein Punkt -neben dem Geplenkel mit KANT und dem Gefasel zum Weltuntergang nach dem Kalender der Mayas am 21.12.2012, war bemerkenswert, das Tagblatt beschreibt es wirklich treffend:

„Während die Oberbürgermeisterin vor einem Jahr mit Blick auf die für S 21 eingeforderte Bürgerbeteiligung noch den Begriff des „Mutbürgers“ geprägt hatte, warnte sie gestern vor den „Nimbys“. Diese Abkürzung steht für „Not in my backyard“ („Nicht in meinem Hinterhof“) und meint jene, die im Zweifel ihr Interesse vor das der Allgemeinheit stellen. Bosch: „Mit Nimbys bringen wir unsere Gesellschaft nicht voran.“

„Bürgerbeteiligung“ à la Reutlingen und die Diffamierung derjenigen, die eine wirkliche Bürgerbeteiligung einfordern, als NIMBYS (klar, solche gibt es auch, aber die waren hier nicht gemeint) passt genauso in das Bild dieser Stadtführung, wie der Umgang mit dem nicht gesagten, aber für Reutlingen wichtigen Themen des letzten und diesen Jahres.

Beispiel gefällig? ich zitier mal aus den Kommentar von Manfred Stelzer im Tagblatt (der kann´s einfach besser):

„Auch im neuen Jahr wird das Eine besser und das Andere schlechter gelingen. Grad so, wie das im richtigen Leben ist.“
Das musste reichen für die Realitäten im Reutlinger Rathaus. Kein Wort zum oberbürgermeisterlichen Geeier um die Führungsstil-Schwierigkeiten ihrer Stellvertreterin Ulrike Hotz, kein Takt zum singenden Finanzbürgermeister und Isny-Wochenendpendler Peter Rist. Anders als in den Vorjahren wurden ihre Beigeordneten – und Verwaltungsmann Robert Hahn wurde vom Rat immerhin einstimmig wiedergewählt – erst gar nicht erwähnt.
Das kann Zufall sein. Muss aber keiner sein. Zumal heuer auch der sonst übliche öffentliche Dank an die Rathaus-Mitarbeiter/innen ausblieb.

Schade! Barbara Bosch hätte gestern nämlich auch einfach sagen können, dass sie ihr erstes Jahr als Städtetagspräsidentin sehr in Anspruch genommen hat, dass im Rathaus beileibe nicht alles glatt gelaufen ist, und sie hätte verraten können, dass sie im Vorfeld der Stuttgarter OB-Wahlen inzwischen sowohl von der SPD als auch von CDU und Freien Wählern als Kandidatin angefragt wurde, dass sie aber hierbleiben und mit viel Lust und Energie das kommende Jahr angehen will. Und das im Vertrauen auf die Belegschaft. Weshalb man sich jetzt auch besonders um das Betriebsklima im Rathaus bemühen wolle.
Das wäre ein Aufbruchsignal fürs Jahr 2012.“
(mehr hier……)

Diese nonverbale Kommunikation, das durch Nichts sagen Gesagte, rührt weiter das Misstrauen an der Ehrlichkeit in der Politik, deren Auswirkungen im Moment nur erahnbar sind.
Mehr eigene Ehrlichkeit und ein offener Dialog würde dieser schönen Stadt wirklich gut anstehen, und sie hätte es verdient.

Urs

mehr zu diesem „Event“

GEA am 7.01.2012: „Bürgerempfang: Planen ohne Denkverbote“ Von Christoph B. Ströhle

Tagblatt am 07.01.2012:“Barbara Bosch hat sich des Maya-Kalenders angenommen“ von Manfred Stelzer

sowie Tagbaltt am 07.01.2012: „Kommentar: Die Botschaften der Verschwiegenheit“ ebenfalls von Manfred Stelzer

Südwestpresse am 07.01.2012 „Mobilität als Schwerpunkt“ von Ralph Bausinger

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Eine Antwort zu Gastkommentar: „Mobilität als Schwerpunkt“ = Motto des Bürgerempfangs 2012?

  1. verärgerter Handicapy schreibt:

    wie heist die eine Überschrift so treffend:
    „Planen ohne Denkverbote“…..

    was wäre wenn man Frau Bosch in den Rollstuhl setzten, Frau Hotz ne schwarze Binde um die Augen binden und mit nem Stock versehen, sowie die Herren und Dame GemeinderätInnen jeweils an einen Rollatorklemmen würde und jeweils 2kg Blei an deren Füsse packen würde und dann die ganze Truppe einmal vom Kaffehäussle in die Innenstadt jagen würde (10 minuten Zeit hätten sie)….

    was meint Ihr, würden die immer noch so rausschätza?
    oder würden sie mal anfangen zu denken?

    ein Versuch wärs wert!

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