nochmals IHK: »Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit«

heute beschäftigt sich noch ein weiterer Leserbrief mit dem Thema IHK und Straßenbau. Wir können uns den Ausführung auch voll anschließend, daher hier nochmals:

Zu »Kampf um die Infrastruktur«, »Albaufstieg und Tübinger Tunnel« und »Reichlich Raum vorhanden«, GEA vom 18. 7.

»Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit«

Um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt man sich, wenn man die Äußerungen der IHK Reutlingen zum Ausbau des Fernstraßennetzes in der Region und zum Regionalplanentwurf liest. Zum einen lässt die IHK ein Gutachten anfertigen, dem man sofort anmerkt, dass es nur dem Zwecke dienen soll, möglichst viele Straßenneu- und -ausbaumaßnahmen zu fordern und zu rechtfertigen. Gerade so, als ob es keinen Finanzierungsengpass für Verkehrsinfrastrukturen gäbe, und gerade so, als ob der Bau neuer Straßen eine Wohltat für Mensch und Natur wäre.
Unbeleuchtet bleibt dabei, dass der Straßenbau nicht nur Entlastungen für vom Durchgangsverkehr belastete Orte mit sich bringt, sondern in der Regel auch zu großen Eingriffen in Natur, Umwelt und Landschaft führt, deren Ausgleich dann hohe Kosten für die Allgemeinheit bedeutet. Dieser Ansatz im Straßenbau ist schon lange überholt und sollte durch neue, umweltverträglichere Lösungen (Ausbau der Schieneninfrastruktur inkl. Regionalstadtbahn) ersetzt werden. Doch dafür macht sich die IHK bei Weitem nicht so stark. Ebenso vorgestrig ist die Bemerkung der IHK Reutlingen, dass die Grünzüge und Grünzäsuren im Regionalplanentwurf der Region Neckar-Alb die wirtschaftliche Entwicklung behindern würden. Dies zeugt von großer Unkenntnis der Materie.

Die Grünzüge, wie sie im Regionalplanentwurf dargestellt sind, sind einerseits lediglich der Vollzug von nationalem und internationalem Recht, die mit ihren Schutzgebietsausweisungen der Regionalplanung die Vorgaben für die Ausweisung von Grünzügen geben, da gibt es kaum Spielräume. Andererseits wurde in Verhandlungen mit den einzelnen Kommunen geklärt, welche Spielräume sie für die nächste Zeit noch benötigen. Genau das spiegeln die Grünzüge und Grünzäsuren im Regionalplanentwurf wider. Wenn nun die IHK behauptet, dass dadurch die Entwicklung von Industrie und Gewerbe behindert wird, muss sie auch realistisch darlegen, welcher Bedarf konkret vorhanden ist. Das ist sie bisher schuldig geblieben. So lässt sich leicht argumentieren, ohne selbst für seine Forderungen einstehen zu müssen.
Doch nicht nur das. Die IHK hat auch Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit in unserer Region, wenn sie behauptet, ein Zusammenwachsen von Siedlungen sei nicht zu erwarten. Der Blick in die dichter besiedelten Bereiche unserer Region lehrt etwas anderes. Zynisch ist dagegen der Hinweis, auf der Schwäbischen Alb sei genug Raum für die Landschaftsentwicklung (von der IHK Grünentwicklung genannt). Dies unterstellt wohl, dass die Menschen in den Ballungsräumen der Region kein Anrecht auf Naherholung im Grünen haben – und die Natur kein Recht auf Überleben. Dem Regionalverband bleibt zu wünschen, dass er sich von derartigen unqualifizierten Äußerungen nicht beeindrucken lässt und seiner Linie treu bleibt.

Andreas Linsmeier, Reutlingen, beratendes Mitglied im Planungsausschuss Regionalverband Neckar-Alb, Mitglied im Landesvorstand des Landesnaturschutzverbandes

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Achalmtunnel, B 27, Bürgerengagement, Bundestraßen, Dietwegtrasse, Information, News, Politik, Presse, Regionalplan, Regionalstadtbahn, Reutlingen, Scheibengipfeltunnel, Stadtbahn, Tempo 30, Verkehrsentwicklungsplan abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu nochmals IHK: »Schwierigkeiten mit der Wirklichkeit«

  1. Hannes schreibt:

    hallo Andreas,
    wenn auch schon älter, aber immer noch gut!
    Schreib hier doch mal.

    gruß
    Hannes

  2. Adenauer schreibt:

    Super Kommentar!
    (es gibt auch fitte SpezialDemokraten)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.