Kommentar: Die Verkehrsentwicklungsplanung und „Kritische Diskussion unerwünscht“

Vor einigen Tagen konnten man ein bemerkenswertes Interview im Reutlinger Generalanzeiger (hier…..) lesen, das die Reutlinger Situation mal (wieder) sehr offen beleuchtet.

Es ging um die (in Reutlingen) scheidende wichtigste Verkehrsplanerin, die Situation im Reutlinger Rathaus, das Chaos in der Verkehrsplanung (und damit Verkehrsentwicklungsplanung) und die Konsequenzen für die weitere Entwicklung.

Mit einer erstaunlichen und erfrischenden Offenheit antwortet Karin Meyer auf die Fragen der Redakteurin Glitz und gewährt uns einen tiefen Blick hinter die Kulissen des Reutlinger Rathauses.

Über 22 Jahre hat Frau Meyer u.a. als Leiterin der Abteilung Verkehrsmanagement beim Amt für Straßen, Umwelt und Verkehr versucht (und das Wort passt nach ihrer Beschreibung ganz gut) in Reutlingen Verkehrsplanung für alle Beteiligten zu betreiben, wohl mit wenig Rückhalt von der Verwaltungsspitze (insbesondere in letzter Zeit).

Der Umgang mit dem Fachpersonal in der Reutlinger Verwaltung ist symptomatisch und hat allmählich eine lange Reihe von Vorfällen, ohne das z.B. der Gemeinderat bisher mal auf Bremse tritt. Es sei nur auf die Vorgänge zur ehemaligen Stadtplanungsamtsleiterin Frau Schimpfermann oder auf den Abgang des Planers Riedlinger erinnert (die Reihe ließe sich noch fortsetzen).

Es scheint so zu sein, dass diejenigen Mitarbeiter die fachliche Kompetenz haben und diese in ihre Arbeit einbringen, in Reutlingen nicht erwünscht sind und dann z.B. wie in diesem Fall eine Amtsleiterin für Verkehrsmanagment zur Sachbearbeiterin für Ampelschaltungen verdonnert wird, muss man sich nicht wundern, wenn die Betroffenen den Laden verlassen. Kommunikation Fehlanzeige. Personalführung und gute Dezernatführung sieht anders aus.

Was bedeutet dies nun für die weitere Verkehrsentwicklungsplanung?

Zitat aus dem Interview:

Frage: Mit dem viel zitierten Verkehrsentwicklungsplan geht’s nicht voran. War das Ihre Schuld?

Meyer: Dem externen Verkehrsplanungsbüro wurden zu viele Einzelaufgaben aufgeladen, die aus meiner Sicht mit dem Verkehrsentwicklungsplan allenfalls mittelbar etwas zu tun haben: Dietweg, Scheibengipfel, Oststadt, City Nord. Der Blick aufs große Ganze ging verloren. Angesichts der gegenseitigen Abhängigkeiten muss man doch erst schauen, wie man das alles verzahnt. Und wir brauchen in Reutlingen Zielvorgaben – eine Vision, wohin wir wollen bis ins Jahr 2025. Wir hatten durchaus schon übergeordnete Ziele formuliert und dem Gemeinderat vorgestellt, aber weitergemacht haben wir mit vielen Einzelthemen und Einzeluntersuchungen, unglaublich vielen Besprechungen mit externen Planern und enormen Kosten. Vor der OB-Wahl lief dann allerdings sechs Monate fast nichts.

 und noch ein Zitat:

Frage: Wer betreibt nun die Verkehrsentwicklungsplanung in Reutlingen?

Meyer: Das entzieht sich meiner Kenntnis! Tatsache ist, dass im Dezember 2011 ein neuer Abteilungsleiter mit meinem bisherigen Aufgabengebiet gesucht und nicht gefunden wurde. Hauptsächlich liegt die Verkehrsentwicklungsplanung derzeit in der Hand von externen Büros. Im Rathaus gibt’s Gerangel um die Zuständigkeiten, weil die Schnittstellen seit über einem Jahr nicht geregelt sind und jedes Amt angesichts der immer noch weiter zunehmenden Personalengpässe zunächst sagt: »Wir sind nicht zuständig«.

Da besteht nun wirklich erheblicher Handlungsbedarf. Wenn die Politik hier nicht das Zepter an sich reisst, dann muss man wirklich Schlimmes für Reutlingen befürchten. Unabhängig von dem oben geschilderten Vorgang, ist der Bedarf an einer handlungsfähigen und motivierten Verwaltung in Reutlingen wichtiger denn je, sonst verplätschern wichtige Projekte weiterhin, mit allen Konsequenzen für die Zukunft. Dies gilt auch ausserhalb der Verkehrsplanung.

Es bliebt uns übrig Frau Meyer in Tübingen einen guten Start zu wünschen und für Reutlingen einen Anlass endlich etwas zu ändern.

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