Erschließungsstraße für Orschel-Hagen-Süderweiterung

uns erreichte gestern eine Mail, dessen Inhalt wir hier gerne weitergeben, da es sich mit unserem Thema unmittelbar auseinandersetzt:

Erschließungsstraße für Orschel-Hagen-Süderweiterung

Liebe Verkehrsinteressierte,

im vergangenen Jahr, beim 50jährigen Jubiläum, wurde Orschel-Hagen als städtebaulich besonders gelungene Nachkriegssiedlung gepriesen, auch wegen der „grünen Mitte“, der „Freiraumqualitäten“ und dem „getrennten Fahrzeug- und Fußwegenetz“, so Prof. Dr. Franz Pesch in der Jubiläumsbroschüre.

Von der „Grünen Mitte“ ist dank Bebauung nicht mehr viel übrig geblieben, den Freiräumen ringsum erging es ähnlich.
Nachdem der Sport- und Veranstaltungsplatz im Zentrum für seniorengerechtes Wohnen genutzt wurde, blieb Kindern und Jugendlichen für freies, ungefährdetes Spielen nur der Raum zwischen den Kirchen. Ausgerechnet dort soll nun die alleinige Erschließungsstraße für ein neues Wohngebiet mit ca. 250 Wohneinheiten hindurch laufen. (Eine zukünftige Erweiterung der Bebauung ist auch schon aus der Planung ersichtlich).

Kleines 1×1:
Wenn jede Wohneinheit nur ein Auto besitzt – eine ziemlich bescheidene Annahme, und dieses Fahrzeug zweimal täglich heraus und hinein gefahren wird – ebenso bescheiden, dann ist man bei 1000 Kfz-Bewegungen pro Tag. Dazu kommen Baufahrzeuge, Müllabfuhr, Handwerker, Umzugswagen usw.

Die Verkehrsfläche soll als „Shared Space“ ausgebildet werden, d.h. dort tummelt sich alles was auf Füßen, Rollen, Rädern in Bewegung ist, vom Kleinkind mit Dreirad, Fußgänger, Pedalo, Fahrrad, Auto, Kinderwagen, LKW, Bollerwagen, Motorrad, Inliner, Skateboard, Segway, Quad, bis zu Rollstühlen und Rollatoren. Das heißt auch: Keine Geschwindigkeitsbegrenzungen sondern gegenseitige Rücksichtnahme.

Nochmal Grundrechenarten: Die Strecke zwischen Nürnberger Straße bis zum Baugebietsbeginn ist knapp 100 m lang. Bei Schrittgeschwindigkeit 5 km/h legt man diese Strecke in gut 1 Minute zurück. Wenn die Kfz auch in diesem Tempo fahren, brauchen 1000 Kfz mehr als 16 Stunden. Wenn immer nur ein Auto unterwegs ist! Wenn mehrere gleichzeitig fahren, wird die Situation nicht wirklich besser, Spielen ist dort dann vorbei.

Wie gelangen alle diese Fahrzeuge zu der Durchfahrt bei den Kirchen? Überwiegend von der Rommelsbacher über die Nürnberger Straße. Zur Zeit wird von der Stadt Reutlingen publiziert, dass in Folge der Eröffnung des Scheibengipfeltunnels sich das gegenwärtige Verkehrsaufkommen von 7.000 Kfz/24h um 900 erhöhen würde, wenn nicht gegengesteuert wird. Dazu werden bauliche Maßnahmen, Tempo 30 und LKW-Fahrverbote vorgesehen. Tempo 30 und LKW-Durchfahrtverbot bestehen aber schon längst. Die Verkehrszunahme durch ein neues Wohngebiet ist nicht thematisiert.

  • Fragwürdig ist, ob überhaupt noch neue Wohngebiete auf der grünen Wiese zeitgemäß sind angesichts demografischer Entwicklung und der auf allen Ebenen im Munde geführten Notwendigkeit der Eindämmung von Freiflächenverbrauch. Dreist ist es, im Falle Orschel-Hagens als „Arrondierung“ zu sprechen.
  • Fragwürdig ist, ob das bisher unbebaute Gebiet der Orschel-Wiesen und Orschel-Äcker mit fruchtbaren Böden und als Frischluftentstehungsgebiet und Erholungsgebiet für den Nordraum, als Lebensraum für Vögel (z.B. Milan) und andere Tiere nicht eine wichtigere Funktion für die Menschen und den Naturhaushalt in Reutlingen hat, statt dieses  Tafelsilber unwiederbringlich zu verscherbeln.
  • Fragwürdig ist, ob ein Areal, das sich nur zu Lasten der bisherigen Anwohner erschließen lässt, überhaupt erschlossen werden darf. Andere Zufahrtsvarianten erfordern z.B den Abriss des katholischen Pfarrhauses oder Anlage von Straßen vor bestehenden Wohnhäusern.
  • Höchst fragwürdig ist es im „Kinderland Baden-Württemberg“, wenn ein Baugebiet für junge Familien (so wurde es jedenfalls im Anfang bezeichnet) nur erschlossen werden kann, indem man den Spielraum und die Flächen für die Kinder- und Jugendarbeit der beiden Kirchen zunichte macht.

Daher meine herzliche Bitte um Unterstützung der Unterschriftensammlung im Anhang. (Rückgabe bitte bis 10.10.)

Weitere Informationen auf dem Anschreiben im Anhang.
Termine für die Ausstellung der 3 prämierten Entwürfe und für die Bürgerbeteiligung auf dem Flyer im Anhang.
Näheres zum Verkehr unter: http://www.reutlingen.de/2898
Näheres zu Orschel-Hagen Süderweiterung unter: http://www.reutlingen.de/3470

Umwelt-freundliche Grüße
Edith Willmann

Flyer zur Bürgerbeteiligung Orschel-Hagen am 13.10.2012

Aufruf zur Unterschrift

Unterschriftenliste

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