Jahrzehntelange Planung + Basics übersehen = Gasalarm am Achalmtunnel

Da plant jahrzehntelang eine Armada von Spezialisten einen Tunnel durch die Achalm. Durch gesetzliche Änderungen müssen die Planungen nochmals überarbeitet und geprüft werden, das Ganze muss durch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren, was erneut dazu führt, dass eine Armada an Spezialisten monate/jahrelang sitzen und prüfen….

Und dann?

Dann stellen ein paar Bauarbeiter Bläschen in einer Wasserpfütze vor den zukünftigen Rettungsstollen fest und die Arbeiten werden wegen Gasalarm eingestellt (und die Bevölkerung erfährt erst mal tagelang nichts).

Geht´s noch?

Es geht noch weiter:

in einer Chronik von Christoph Friedrich Gayler „Historische Denkwürdigkeiten der ehemaligen freien Reichsstadt Reutlingen“ von 1845 wird der „Goldrausch von Reutlingen zu Beginn des 18. Jahrhunderts“ beschrieben: „Der erste Spatenstich zum Bergwerk erfolgte am 8. August 1716, übrigens mit geistlichem Segen und einem Gedenkgottesdienst vor Ort. Das Bergwerk wurde an der Stelle am Scheibengipfel errichtet, die heute noch den Namen „Goldloch“ trägt.“….. „Man sei (weil man nicht viel Gold gefunden hat) in fünf Schächten auf 80 Klafter nieder gestiegen und dort hätten die Bergknappen ein noch schwächeres Äderchen gefunden.
Dabei sei auch brennbares Gas ausgetreten, das beim Entzünden einen schwachen Feuerschein abgegeben habe. Etliche Monate lang wurde die Sache als ein nützliches Spiel behandelt, denn die Knappen zündeten ihre Pfeifen daran an; sie zeigten die Erscheinung um ein Trinkgeld den häufig zulaufenden Fremden. ….. Endlich aber begann die Flamme stärker zu werden, die Luft außer und über der Miene zu ergreifen, ja im ganzen unteren Schachte sich auszubreiten, hauptsächlich, wenn die Graber eine Zeit lang von ihrer geruht hatten.«zum Schluss kam es zu einem tödlichen Unfall, da griffen die Flammen auf einen Knappen über und dieser ist dann verbrannt.

Schon anhand des Flurnamens hätten die Tunnelplaner stutzig werden müssen, zumindest hätten sie mal nachforschen müssen woher der Name kam.

Haben sie aber nicht.

Konsequenz:

  • das zuständige Regierungspräsidium Tübingen wie auch die ausführende Firma (für die Bergbau nichts unbekanntes ist) vollkommen überrascht ob dem Vorkommen von explosiven Methangas.
  • Sie spielen den Vorgang sofort herunter („nur eine ganz geringe Konzentration“ und „die Warngeräte hätten nicht angeschlagen“).
  • Es wird „sofort nach dem Bekanntwerden des Gasaustritts“ eine Firma mit weltweit führenden Spezialisten für Ausgasungen und Methangasbeherrschung, beauftragt (die die Firma »DMT Bergbauservice und Wettertechnik« aus Essen) um „Empfehlungen für die Gasbeherrschung zu geben und ein optimiertes Lüftungskonzept aufzustellen“.
  • Um zu verhindern, dass sich Gasansammlungen bilden, werden laut Regierungspräsidium Tübingen zwei unabhängig voneinander funktionierende, „redundante“ Belüftungssysteme installiert. Jeweils zwei Lüfter stehen außerhalb des Tunnels. Von dort führen Lüftungsleitungen (sogenannte Lutten) bis zur »Ortsbrust«, den Ort, wo die Mineure arbeiten, um sie mit Frischluft zu versorgen.
  • Kosten? diese kommen jetzt für den Steuerzahler noch dazu. Die zusätzliche Belüftung während der Bauphase war bisher nicht in den Berechnungen drin, wie hoch die Kosten sind will man natürlich jetzt noch nicht sagen, aber die lassen sich sicherlich aus der Portokasse bezahlen, wetten dass?

 

mehr Infos hier in der Presse:

2012-10-31 Tagblatt: Komplikationen befürchtet – Gasaustritt am Scheibengipfeltunnel

2012-11-02 Tagblatt: Gasaustritt: Methan nur in geringer Dosis – Bauarbeiten am Scheibengipfeltunnel gehen weiter

2012-11-02 GEA: »Knappe jämmerlich verbrannt«

2012-11-02 GEA: Die Gefahr aus der Tiefe im Scheibengipfeltunnel

2012-11-02 Südwestpresse: Tunnel-Sicherheit: RP verschärft Vorkehrungen

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8 Antworten zu Jahrzehntelange Planung + Basics übersehen = Gasalarm am Achalmtunnel

  1. Achalmanlieger schreibt:

    Nur gut, dass es in diesen ganzen unnützen Blogs lauter Spezialisten gibt, die alles (besser) wissen und können !

    • Gustav schreibt:

      na, wenn du hier rumstänkerst, von wegen „unnütze Blogs“ und „Spezialisten, die alles besser wissen“, solltest Du dir auch die Frage stellen ob Dein Beitrag irgend einen Sinn hat oder zum Thema zu sagen hast. Ansosnten lass es, du musst dir solche Blogs nicht antun.

  2. Martin schreibt:

    das sit ja wieder mal luschdig,
    (wenns nicht so ernst wäre….)

  3. re56nates schreibt:

    Sind umliegende Besiedelungen in Gefahr?

    • Deponiegas schreibt:

      geht es jetzt nur darum ob Sie3dlungen in Gefahr sind?
      vermutlich derzeit nicht, aber täglich werden die Achal,m und der Scheibengipfel von tausenden Spaziergängern besucht, was ist mit denen ?
      Übrigens ging´s in dem Artikel hauptsächlich um die diletentische Planung und Ausführung und das auf unser aller Kosten!!!!

      Aber wir Deppen zahlen ja alles.

  4. Reinhard Beneken schreibt:

    An diesem Verhalten überrascht mich eigentlich überhaupt nichts.
    In der Entscheidungsphase eines Projekts hat es Vorteile, wenn alles möglichst günstig erscheint; der Planungsträger wird deshalb nicht möglichst viele, sondern möglichst wenige Risiken benennen. Und deshalb tauchen diese Risiken dann auch nicht in der Bau-Ausschreibung auf.
    Dies wiederum freut den Auftragnehmer. Bei offiziell „unerwarteten“ Komplikationen kann er nämlich den vereinbarten Festpreis überziehen.
    Fazit: Alle Beteiligten sind zufrieden und werden es beim nächsten Mal wieder so machen.
    Jedenfalls so lange, wie sich die Steuerzahler das gefallen lassen…

    • Admin schreibt:

      richtg, insbesondere der letzte Satz: „solang der Steuerzahler das mitmacht.“

      Man kann nur hoffen, das dem mal der Gedultsfaden platzt. Und zwar möglichst bald.

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