der Verkehrsentwicklungsplan ist bei den Fußgängern und Radfahrern angekommen

Unsere Baubürgermeisterin Ulrike Hotz führt in den Block Fußgänger und Radfahrer im Verkehrsentwicklungsplan mit folgenden superschlauen Satz ein:

„Es macht einen Unterschied, ob der Verkehrsraum voll mit Autos und Abgasen ist, oder ob sich Fußgänger und Radfahrer gut bewegen können.“

Sie liegt zwar nicht falsch, aber es lässt einen schon den Kopf schütteln mit welchen Plattheiten (im besten Fall Allgemeinheiten) die Baubürgermeisterin dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit Basics aufbereiten muss.

Nun gut, lassen wir das. Es ging mal wieder in einer Klausur für den Gemeinderat (und nur für den) um den Verkehrsentwicklungsplan (nachdem es in der letzten Zeit richtig ruhig geworden ist, zu mindest für die Öffentlichkeit).

Wie könnten die nächsten Schritte aussehen, um die Verkehrsstrukturen bei Fußgängern und Radfahrern zu optimieren?

Das war die fundamentale Frage, die Katalin Saary vom Büro Stete Planung im Rahmen einer Analyse der Reutlinger Verhältnisse zu beackern hatte.

Und wie wurde sie beantwortet?

„Das sei eine Frage des Geldes“ (mal wieder so ein Weisheit). 170 000 Euro Fahrrad-Infrastruktur darf Stefan Dvorak als Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Vermessung, für die Stadt pro Jahr ausgeben. Soviel billigt ihm die Verwaltungsspitze und der Gemeinderat jährlich zu!
Zum Vergleich: 1 Kilometer Radweg kostet im günstigsten Fall (keine Schwierigkeiten, keine Kreuzungen, keine Brücken usw.) 100.000€
.
Mal wieder ein schönes Beispiel für eine „hervorragende Priorität“ für die schwächeren Verkehrsteilnehmer. So ernst ist es der Politik eben. Ich will jetzt gar keine Vergleiche z.B. zu den Kosten für den Bau und den Betrieb des Rostblocks am Rande der Innenstadt ziehen, aber es macht schon deutlich wo die Schwerpunkte sitzen.

Nun gut, der VEP ist mittel- bis langfristig zu sehen, da ist noch Luft drin, nur ob die Strategie „Hohe Wirkung bei geringem jährlichen Mitteleinsatz“ da wirklich ausreichend funktioniert, bezweifle ich aber schwer.

Wenn Frau Hotz feststelle, das der Verkehrsraum in der Stadt nicht vermehrbar ist (in Bezug auf die Flächenverteilung der einzelnen Verkehrsträger) hat sie mal wieder recht, die entscheidende Frage wird jedoch sein, wie werden die Flächen neu verteilt! Allen kann man es nicht recht machen, aber wenn das Ziel ausgegeben wird: möglichst den Fußgängerverkehr und der Radverkehr zukünftig stark zu steigern, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit:

Autos raus (oder stark reduzieren),
mehr Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer!

47 Prozent des innerstädtischen Verkehrs werden derzeit in Reutlingen ohne Auto bewältigt. Bis ins Jahr 2020 soll der Anteil bei 54, bis 2025 gar bei 62 Prozent liegen! Ich bin mal gespannt wie die genauen Vorschläge zur Umsetzung aussehen.

Aufgrund der Vielzahl der Vorhaben soll von der Stadtverwaltung eine Prioritätenliste erstellt und dem Gemeinderat zur Diskussion und zum Beschluss vorgelegt werden. »Vorrang haben dabei die Themen Sicherheit und die Alltagsradwege« so die Zielrichtung nach Dvorak. Aber mit allen Fassetten, so ergänze ich (vom Schulweg, über Richtung Innenstadt, oder für Ältere, oder für Verknüpfung mit anderen Verkehrsarten => Radstellplätze sind bisher in Reutlingen sehr unterbelichtet vorhanden, usw.).

Zum Thema Überquerung für Fußgänger in der Lederstraße, Karlstraße usw. brauchen wir eigentlich keinen VEP, dass Problem des „Inselhoppings“ (was für ein verharmlosender Begriff, Sprache ist schon verräterisch) ist schon lange Thema und kann einfach von der Stadtverwaltung gelöst werden! Der VEP darf in Bezug auf die zeitliche Umsetzung nicht missbraucht werden.

Eins bleibt noch festzustellen:

wo bleibt die viel gerühmte Bürgerbeteiligung?
Wann wird die Bevölkerung mal wieder informiert und aufs Laufende gebracht?

Da gab es doch ne ganze Reihe von (bisher kaum erbrachten) Versprechungen, liebe Stadt das seid ihr noch in der Bringschuld.

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4 Antworten zu der Verkehrsentwicklungsplan ist bei den Fußgängern und Radfahrern angekommen

  1. Emil der Radler schreibt:

    wenn die Gelder die für Autostraßen in ein Verhältnis zu dem Geld setzt, das für die Verbesserung des Radverkehrs setzt, gusselt es einem. Wenn sich das nicht schlagartig ändert, sehe ich für die Wunschvorstellung der Stadt aber mächtig schwarz.

  2. Rainer schreibt:

    ja, ja das Thema Bürgerbeteiligung und Verkehrsentwicklungsplan: Transparenz für Alle sieht anders aus (gilt zumindest für die Stadt Reutlingen)

  3. marc schreibt:

    vollste Zustimmung zu deinem Fazit: „Autos raus (oder stark reduzieren), mehr Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer!“
    und zur Frage der Beteiligung: das sind die richtigen Fragen! Mal sehen, was da noch kommt!

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