Nächter Gemeinderat: der Verkehrsentwicklungsplan auf der Tagesordnung

vor 10 Tagen haben wir hier die Frage gestellt: was ist nur mit dem VEP in Reutlingen los.

Nun geht´s überraschenderweise weiter.

Am kommenden Donnerstag heißt der Tagesordnungspunkt 4 :

Sachstand Verkehrsentwicklungsplan.

Nach der letzten Gemeinderatsklausur am 07.12.2012 ne ganz schön lange Zeit. Egal, was steht drin?

Wir zitieren mal direkt (ihr könnt alles als PDF hier runterladen):

Begründung

Am 07.12.2012 fand – nach der ersten Klausur vom 16.03.2012 zum motorisierten Individualverkehr (MIV) – eine zweite Klausurtagung des Gemeinderates zum Verkehrsentwicklungsplan statt. Der Schwerpunkt lag diesmal beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Die Präsentationen aus dieser Tagung stehen unter http://www.reutlingen.de/vep der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die zur Erstellung des Umsetzungskonzeptes notwendigen Haushaltsmittel sind im Doppelhaushalt 2013/2014 eingestellt (Haushaltsstelle 1.7920.7031.000).

Wesentliche Resultate der Analyse

Der Verkehrsraum Reutlingen, Pfullingen und Eningen mit zusammen ca. 143.000 Einwohnern besitzt ein über die Jahre gewachsenes und bewährtes Busverkehrsnetz mit einer Reihe von Qualitäten. Zu nennen sind hier insbesondere die übersichtliche Sternstruktur, das zum großen Teil gute Bedienungsniveau in den Außenorten und die recht weitgehende Ausrüstung für die Bevorrechtigung des Busverkehrs an Ampeln und durch Busspuren. Überdies entspricht das Angebot dem Standard des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Allerdings hat das beauftragte Fachbüro auch einige Verbesserungsvorschläge unterbreitet. Diese wurden auf Basis folgender Quellen erarbeitet: Eigene Analyse, Anträge aus der Politik, Anregungen aus den Bezirksgemeinden, Ideen aus dem Verfahren „City Nord“ sowie Planungen für die Regionalstadtbahn Neckar-Alb.

Verbesserungspotenzial wird vom Gutachter in folgenden Bereichen gesehen:

  • Verbesserung der Erreichbarkeit der südlichen und östlichen Innenstadt,
  • Verdichtung des Angebotes,
  • Behebung von Erschließungslücken,
  • Herstellung neuer Direktverbindungen.

Vorschläge des Gutachters

Baustein 1: Altstadtring

Die Busse könnten künftig in kurzen Abständen einen Altstadtring (Ledergraben – Lederstraße – Garten-/Metzgerstraße – Karlsstraße – heutiger ZOB – Ledergraben) befahren. Der Altstadtring würde dabei von jeder Linie nur in einem Teilabschnitt befahren und dann wieder verlassen werden. Damit könnte die Erschließung der Innenstadt wesentlich verbessert und gleichzeitig die Betriebsabwicklung entzerrt werden.

Für Fahrgäste, die ihr Fahrziel in der Innenstadt haben, ergibt sich in vielen Fällen eine deutliche Verkürzung der Fußwege, insbesondere bei Fahrzielen in der südlichen und östlichen Innenstadt. Fahrgäste, die die Innenstadt ohne Umstieg durchfahren wollen, profitieren vom Wegfall der Wartezeit am ZOB Stadtmitte. Fahrgäste, die zwischen den Linien umsteigen, profitieren zum Teil vom Wegfall oder der Verkürzung von Umsteigewegen, die wichtigsten Umsteigebeziehungen lassen sich fahrplantechnisch so abstimmen, dass nur minimale Wartezeiten entstehen. Bei einzelnen, weniger wichtigen Umsteigebeziehungen sind allerdings auch längere Wartezeiten unvermeidbar; dieser Nachteil wird nach Auffassung des Gutachters durch die Vorteile allerdings erheblich überkompensiert.

Das vorgeschlagene Netz mit Altstadtring, aber ohne weitere Maßnahmen könnte nach einer ersten Grobabschätzung des Gutachters in etwa kostenneutral, bei deutlichem Nachfragezuwachs zu realisieren sein.

Mit dem Vorschlag des „Altstadtrings“ wird dem Antrag der WiR-Fraktion vom 25.09.2007 (GR-Drucksache Nr. 07/005/89) entsprochen.

Baustein 2: Taktverdichtung

Ein 20-Minuten-Takt als Basisangebot erscheint heute in Anbetracht der Größe des Verkehrsraums Reutlingen unterdimensioniert. Außerdem erschwert er die Aufspaltung eines Linienastes in der Netzperipherie, weil dabei nicht merkbare 40-Minuten-Rythmen entstehen (zum Beispiel Linie 11 nach Pfullingen und Eningen). Daher empfiehlt der Gutachter, den 15-Minuten-Takt als Basisangebot zu wählen; dieser kann in der Schwachverkehrszeit und auf nachfrageschwachen Linienabschnitten auch auf einen 30-Minuten-Takt reduziert werden, ohne dass die Merkbarkeit des Angebotes leidet. Anderseits kann er durch Linienüberlagerungen auch verdichtet werden.

Baustein 3: Netzergänzungen

Der dritte Baustein dient im Wesentlichen zur Behebung von Erschließungsdefiziten sowie der Herstellung neuer, von den Bezirksgemeinden gewünschter Direktverbindungen, die Fahrten zwischen Ortsteilen ermöglichen, ohne dass dabei die Stadtmitte berührt werden muss. Dazu ist die Schaffung neuer Umsteigepunkte, sowohl zwischen Bus und Schienenverkehr, als auch zwischen verschiedenen Buslinien, hilfreich. Zu nennen sind zum Beispiel neue Verknüpfungspunkte am Bahnhof Sondelfingen und am Westbahnhof (Bus/Schiene, Bestand), an den künftigen Haltepunkten Storlach und Bösmannsäcker (Bus/Schiene, Neueinrichtung im Zuge der ersten Stufe der Regionalstadtbahn Neckar-Alb) sowie in Storlach Mitte, Rommelsbach Mitte und Mittelstadt (Bus/Bus). Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden von der Verwaltung grob auf Machbarkeit überprüft.

Damit wird eine Reihe von Vorschlägen aus allen 12 Bezirksgemeinden aufgegriffen.

Berücksichtigung der Regionalstadtbahn Neckar-Alb

Im Zuge der Netzentwicklung hat der Gutachter die Regionalstadtbahn Neckaralb durchgängig berücksichtigt. Somit sind zwei Varianten – mit und ohne Regionalstadtbahn – entstanden, die je nach Realisierungsstand der Stadtbahn auch teilweise umgesetzt werden können.

Damit ist den Ziffern 2 und 6 des Antrages der Fraktion Die Grünen und Unabhängigen vom 19.12.2012 (GR-Drucksache Nr. 12/005/100) Rechnung getragen; auch die Ziffer 6 des Antrages der CDU-Fraktion vom 04.04.2012 (GR-Drucksache Nr. 12/005/42) sowie die Ziffern 1b und c des Antrages der SPD-Fraktion vom 19.03.2012 (GR-Drucksache Nr. 12/005/37) findet hiermit Berücksichtigung, ebenso Teile der Ziffer 3 des Antrages der Fraktion Die Grünen und Unabhängigen vom 14.05.2009 (GR-Drucksache Nr. 09/005/36).

Verkehrliche Wirkung

Der Gutachter geht davon aus, dass bei Realisierung aller drei Bausteine etwa 5.000 PKW-Fahrten pro Tag entfallen werden, davon 4.000 in der Innenstadt. Dies würde die prognostizierte Entlastungswirkung des Scheibengipfeltunnels (ca. 14.000 Kfz/Tag für die Innenstadt) relevant verstärken.

Weiteres Vorgehen

In einem nächsten Schritt gilt es nun, die Ideen der Fachingenieure in einem Umsetzungskonzept mit aller Sorgfalt weiter auszuarbeiten und dabei das Verhältnis von Kosten und Nutzen der einzelnen Bausteine im Gesamtnetz darzustellen. Hierzu sind unter anderem Fragen der baulichen Gestaltung der neuen Umsteigepunkte in der Innenstadt sowie in den Stadtbezirken zu klären, die Frage der Organisation und Finanzierung der zusätzlichen Angebote zu durchleuchten und Fahrplanstrukturen sowie konkrete Fahrpläne zu erarbeiten.

Die Vorlage gibts hier, einschließlich aller notwendigen weiteren Vorlagen

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Bundestraßen, Bundesverkehrswegeplan, Hintergründe, Information, News, Politik, Regionalstadtbahn, Reutlingen, Scheibengipfeltunnel, Stadtbahn, Tempo 30, Verfahren, Verkehrsberuhigung, Verkehrsentwicklungsplan abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Nächter Gemeinderat: der Verkehrsentwicklungsplan auf der Tagesordnung

  1. Karl schreibt:

    und was kam dabei raus?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.