»Einstellung zu Radfahrer-Unfällen ändern«

ein guter Leserbrief im GEA vom 18.04.2015 zum Thema „Rad und Reutlingen“:

Zur GEA-Serie »Verkehr in Reutlingen«

»Einstellung zu Radfahrer-Unfällen ändern«

Es ist sehr erfreulich, dass sich der GEA in einer großen Serie über Wochen dem Thema Verkehr widmet. Reutlingen hat es wirklich nötig, dass sich etwas ändert. Und das beginnt mit dem Umdenken in den Köpfen. Als Verkehrsteilnehmerin benutze ich den Pkw (sehr selten), ÖPNV (im Winter), das Fahrrad (am häufigsten) und meine Füße, um von Orschel-Hagen in die Reutlinger Innenstadt zu gelangen.

Es zeigt sich immer wieder, dass das Gefahrenpotenzial beim Radfahren am größten ist. Deshalb wünsche ich mir nach Abschluss der Verkehrsserie (unter vielem anderen) dringend auch ein Umdenken bei der Berichterstattung über Unfälle mit Radfahrern in Ihrer Zeitung, auch und besonders, wenn es sich um eine »Polizeimeldung« handelt.

Ein typisches Beispiel gibt es am 15. April, auf der Startseite im Internet: »Polizeimeldung – Radlerin prallt gegen Fahrertüre – schwere Verletzungen hat sich eine Radfahrerin am Dienstagabend bei einem Verkehrsunfall in der Behringstraße zugezogen.«

Da war sie anscheinend selbst schuld, oder? Die Ursache wird wie folgt beschrieben: »Ein 22-jähriger Tübinger hatte kurz vor 18 Uhr seinen Daimler-Sprinter auf Höhe von Gebäude Nummer 14 geparkt und war bereits ausgestiegen. Weil er noch etwas holen wollte, ging er zurück und setzte sich auf den Fahrersitz. Die Türe war nur angelehnt und öffnete sich, was einer von hinten heranfahrenden 45-jährigen Radlerin zum Verhängnis wurde. Die Reutlingerin konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren und prallte gegen die Türe.« Die Tür öffnete »sich« (anscheinend ganz von selbst), die Radlerin »konnte nicht mehr rechtzeitig reagieren«, und »war ohne Schutzhelm unterwegs«.

Wenn der Radverkehr in Reutlingen gesteigert werden soll, dann muss sich an dieser Einstellung zu Radfahrer-Unfällen auch bei unserer Polizei etwas ändern. Vielleicht könnte man mit Streifenfahrten auf dem Fahrrad beginnen, wenigstens bei schönem Wetter, und aus dieser Perspektive Erfahrungen gewinnen.

Ein solcher Bericht, wie oben zitiert, ist kein Einzelfall und absolut zynisch. Radfahrer sind nicht automatisch immer die Buhmänner und Buhfrauen. In einer Stadt, in der die Verkehrsimmissionen nicht in den Griff zu bekommen sind, wird durch solche Berichte gewiss niemand ermutigt, auf das Fahrrad als umweltfreundlichem Fortbewegungsmittel umzusteigen.

 

Edith Willmann, Reutlingen

 

 

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3 Antworten zu »Einstellung zu Radfahrer-Unfällen ändern«

  1. Uwe schreibt:

    Zur GEA-Serie »Verkehr in Reutlingen«:
    die ist doch echt fast durchgehend ein Witz, man er kennt sofort aus welchem Blickwinkel die Schreiber das Thema betrachten.
    Besonders die Meckerecke mit GoogleMaps-Anschluss ist entlarvend: es zeigt auch die Sichtweise der (meisten) GEA-Leser…

    vielleicht kommentiert ihr die mal…. wäre sicherlich spannend.

    Gruß Uwe

  2. Meierle schreibt:

    wie recht die Schreiberin hat! Volle Zustimmung.

    Für einen Treppenwitz halte ich aber die Verlosung des GEA´s zu der Serie: BENZINGUTSCHEINE! und wo es wirklich noch witziger wird ist die Tatsache das die Geschäftsführerein des BUND Reutlingen einen davon gewonnen hat. Ich gehe mal davon aus, dass si diesen gegen den Monatstgutschein für den öffentlichen Nahverkehr eingetauscht hat….:)

    • Rolf Wagner schreibt:

      „BENZINGUTSCHEINE! und wo es wirklich noch witziger wird ist die Tatsache das die Geschäftsführerein des BUND Reutlingen einen davon gewonnen hat“

      ist das wahr? worher hast du das?

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