„Fußverkehrs-Check“ Kommentar zum „Marsch der 25 Aufrechten“

ich zitiere mal den GEA von heute:

»Der Fußverkehrs-Check ist der Auftakt in eine systematische Fußverkehrsförderung in Reutlingen«, hat Stefan Dvorak, der Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Vermessung, bereits mehrfach verheißungsvoll verkündet. War es da ein schlechtes Omen, dass Baubürgermeisterin Ulrike Hotz am Mittwochnachmittag fröhlich winkend im VW-Bus vorbeirauschte, als der Check in der Lederstraße startete?

kein „schlechtes Ohmen“ sondern symptomatisch!

Wer sich mit dem Verkehr (ich zähle alle Verkehrsarten dazu) in Reutlingen beschäftigt, kommt immer wieder an den gleichen Punkt:

„S´wird viel gschwaffeld, elles isch neu ond lerna dem ma aus dr Vrgangenheid net“

Alle aufgeführte geäusserten Punkte bei dem Rundgang, sind nicht neu.
Alles hatten wir schon, über alles haben wir in dieser Stadt schon diskutiert…..

Nun laufen 25 ausgewählte Leute durch die Stadt und kommen an zu den ewig gleichen Ergebnissen.  Nicht das ich falsch verstanden werde, es ist erfreulich, das so viele Menschen bereit wären/sind, der Stadt Reutlinger und ihren Planern das Wichtigste aus der Sicht des Fußgängers erneut zu sagen. Danke das Ihr mitgemacht habt.

Aber, ich frage mich das immer wieder, wie lange dauert es in dieser Stadt, bis sich aus den Eingaben der Bürger, bzw. hier den Hinweisen der 25 Leute etwas ergibt, bis wann sich was in den Köpfen und in den Taten was  ändert?

Schon direkt nach dem Start musste die Route geändert werden. Eigentlich war der Weg über den Steg am Lindachknoten geplant. Wie so oft funktionierte der Aufzug nicht. Für Rollstuhl und Rollator gab’s kein Überqueren. Doch auch sonst nutzt keiner den umwegigen Designer-Steg mit dem spätestens bei Regen glitschglatten Belag, wie aus den Wortmeldungen deutlich wurde.

Einfache funktionierende Lösungen werden durch Bauwerke und Technik, die meist ersetzt, und schon kommt der gehandcapte Mitmensch nicht mehr über die Straße, Sarkastisch ausgedrückt: „warum müssen die da auch unbedingt drüber?“

Weiter geht s mit der unmöglichen Situation, dass man die Straße an dieser Stelle nur auf zwei Schüben mit einem Zwangsstopp in der Mitte auf einer verdammt kleinen Verkehrsinsel überqueren kann.  Wer das im Berufsverkehr schon mal erlebt hat, möglichst noch mit Kinderwagen, weiß was ich meine.

Solage hier das Auto an erster Stelle steht (und nicht mal 50 Sekunden warten kann), solange werden alleine hier jeden Tag hunderte von Menschen gefährdet.
Aber anscheinend  nimmt man das in Kauf. Ich bin mal gespannt, ob der „Fußverkehrs-Check“ was ändern wird, ich vermute mal nichts oder nicht viel.

»Gut gelungen«, findet sie (die aus Dortmund angereiste Expertin) Tübinger Tor und Bürgerpark, die »Steg-Lösung«, gefällt nicht. Eine allzu abendfüllende Debatte des Reutlinger Lieblingspolitikums verhinderten die Organisatoren und der kalte Ostwind.

Im letzten Satz wird klar, was hier Bürgerbeteiligung ist.

Und weiter:

An der vorhandenen Ampel querten die 25 Checker die Konrad-AdenauerStraße in drei Portionen, da die Grünphase so kurz ist. Der Aufenthalt auf der knapp bemessenen Mittelinsel wurde gestoppt: über eine Minute. Zu lang, befanden alle unisono. Merja Spott unterlegte das mit Erfahrungswerten: »Nach 40 Sekunden gehen die Leute bei Rot.«

Sorry für diese Erkenntnis brauche ich keine Expert, das weiß jeder der die Kreuzung so überquert. Der Geist der Verkehrsrechnerprogrammierer ist klar: AUTO; AUTO; AUTO.

und dann kommt s:

Welchen Erkenntniszugewinn hat der ausgiebige Kälte-Marsch gebracht, etwa dem obersten Stadtplaner? Stefan Dvorak sagte, dass ihm die Perspektive der Menschen mit Behinderung deutlicher geworden sei: zu steile Rampen, fehlende Blinden-Leitsysteme, schon kleine Absätze, die Fußgänger, ohne nachzudenken überwindet, sind Barrieren.

Da stellt sich für mich schon die Fragen:

  • Wie lange ist der „oberste Stadtplaner“ Stefan Dvorak den schon Stadtplaner?
  • Mit welcher Wahrnehmung läuft er durch diese Stadt?
  • Welchen Auftrag hat er? List er den die Eingaben, Hinweise, die laufend auch ins Rathaus kommt?
  • Hört er zu, bei den ganzen Bürgerbeteiligungsversammlungen?

Also ich habe schon lange nicht mehr den Kopf so schütteln müssen, wie an dieser Stelle. Aber daraus ergibt sich auch: „Da brauchste dich nicht zu wundern, das die Stadt so aussieht, wie sie aussieht“.

Es wird Zeit das sich was ändert, auch und gerade im Bereich des Verkehrs, der nicht mit Motoren uns drangsaliert. Vielleicht gibt man den hier angefangenen Prozess sowohl von der Politik (Gemeinderat), wie auch von der Verwaltung mal etwas mehr Aufmerksamkeit, sonst versinkt das Thema in 1-2 Jahren wieder als Papier in den Schubladen unseren Rathauses und als Vorlage der Gemeinderäte im Altpapier. Und dann haben wir alle nichts davon.

pit

Link: GEA vom 16.10.2015 „Beim Fußverkehrs-Check geht’s drunter und drüber“

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5 Antworten zu „Fußverkehrs-Check“ Kommentar zum „Marsch der 25 Aufrechten“

  1. Gunnar schreibt:

    heute im GEA:
    Mobilität – Problemzone Bundesstraße: Dortmunder Planer präsentieren Ergebnis des Fußverkehrs-Checks
    Fußverkehrs-Check: B(arriere) 312 im Visier

    VON ANDREA GLITZ

    REUTLINGEN. Was hilft den Bürgern auf die Beine? Der vom Land Baden-Württemberg geförderte »Fußverkehrs-Check« soll Kommunen Impulse geben, wie sie Sicherheit und Komfort für Fußgänger verbessern können.
    Einer der für Fußgänger unattraktivsten innerstädtischen Übergänge: der Lindachknoten. FOTO: NIETHAMMER
    Einer der für Fußgänger unattraktivsten innerstädtischen Übergänge: der Lindachknoten. FOTO: Markus Niethammer
    Reutlingen gehört zu den 15 ausgewählten Kommunen. Rathausmitarbeiter, interessierte Bürger und Merja Spott vom Dortmunder Büro »Planersocietät« haben sich zweimal mehrstündig auf die Socken gemacht (der GEA berichtete), um das von der Verwaltung ausgesuchte Check-Gebiet entlang der B 312 vom Lindachknoten bis zum Gustav-Werner-Platz abzulaufen. Die Ergebnisse präsentierte Spott am Montagabend beim Abschlussworkshop im Reutlinger Rathaus.

    »Die Strecke hat es in sich. Da war alles dabei«, befand Baubürgermeisterin Ulrike Hotz eingangs.

    Als »Herausforderung«, für die es keine einfachen Lösungen gibt, bezeichnete Merja Spott die Strecke entlang der Bundesstraße. Sehr dominant mit hohem Querungsbedarf: Diese Straße, die »eine Barriere« zwischen Innenstadt und angrenzendem Wohngebiet darstelle, sei eine Besonderheit.

    Zu lange Wartezeiten
    Zu lange Wartezeiten (Experten empfehlen generell nicht länger als 40 Sekunden) an den Ampeln, zu kleine Aufstellflächen, Zwischenstopps auf zu kleinen Mittelinseln: Die Querungssituation sei »nicht befriedigend« am Lindachknoten, am Oskar-Kalbfell-Platz und an der Eberhard-/Gustav-Werner-Straße. Die Experten raten zur Verbreiterung der Mittelinseln. Querungen sollten in einem Zug ermöglicht werden. Am Lindachknoten würde eine Erweiterung der Echazbrücke die Lage verbessern.

    Dass der Lindach-Steg eine Fehlplanung ist, war der Dortmunder Planerin schnell klar. »Lassen, wie er ist«, riet sie, er werde eh kaum genutzt.

    Straßenraumaufwertung durch eine Neuaufteilung der Flächen zwischen Oskar-Kalbfell-Platz und Lindachknoten, Geschwindigkeitsreduzierung auf der B 312 sind weitere Anregungen. Der Scheibengipfel-Tunnel werde Verkehr verlagern. Man müsse sich Maßnahmen überlegen, damit nicht neue Autofahrer die Freiräume auf der Lederstraße nutzen, warnte Spott.

    Unter anderem mehr Licht soll die Unterführung beim Parkhaus Lederstraße heimeliger machen. Für den Tunnel-Ausgang an der Unterführung Gustav-Werner-Platz schlägt man unter anderem eine bessere optische Trennung von Geh- und Radweg vor oder wenigstens einen Spiegel: Auch kleine Tricks könnten die Lage verbessern.

    Fußverkehrskonzept sinnvoll
    Neben vielen anderen großen und kleinen Anregungen raten die Dortmunder, einen Arbeitskreis Fußverkehr zu bilden und einen Fußverkehrsbeauftragten in der Verwaltung anzusiedeln. Gelte es doch, die Belange dieser Gruppe stärker ins Bewusstsein kommunalen Planens zu implementieren. Insgesamt solle ein städtisches Fußverkehrskonzept erarbeitet werden, das aufzeigt, wo’s lang geht. »Bis zur fußgängerfreundlichen Stadt wird’s hier dauern«, mutmaßte Merja Spott und riet den Bürgern, »nicht ungeduldig zu sein, aber auch Druck zu machen«. Einen Abschlussbericht des Checks wird das Büro dem Rathaus und dem Gemeinderat vorlegen.

    In der anschließenden Diskussions-Runde mit dem Publikum nahm die Debatte um den Steg bei der Stadthalle breiten Raum ein. »Was ist Ihr Vorschlag?«, wollten Bürger Mal ums Mal wissen. Spott betonte, sie habe keine explizite Lösung, zumal dafür eine Verkehrsuntersuchung vonnöten sei. Merja Spott befürwortet eine niveaugleiche Querung. Stege und Unterführungen sind bei Verkehrsplanern längst aus der Mode. Mit oder ohne Überführung schlug sie eine Fußgängerfurt unterhalb der Brücke vor. Angesichts der komplexen Gemengelage aus Befindlichkeiten, Bedürfnissen und Verkehrsgegebenheiten riet sie zu einem städtebaulichen Wettbewerb.

    Viele Beiträge widmeten sich in der Abschlussveranstaltung dem Übergang vom Bürgerpark zum Tübinger Tor. Die Busse fahren dort nach dem Empfinden der Fußgänger zu schnell und zu rücksichtslos. Viele trauern der ursprünglichen gelben Fahrbahnmarkierung nach, die Fußgängern keinen Vorrang einräumte, die motorisierten Verkehrsteilnehmer aber verunsicherte – was sie zum Langsamfahren motivierte.

    Die Expertin stellte an dieser Stelle eine interessante, am Montag nicht diskutierte Frage: Fahren an dieser Stelle mehr Autos als nötig in die Altstadt? Das möge man doch prüfen.

    »Wir werden die Themen im Rahmen unserer Kapazitäten angehen«, resümierte Baubürgermeisterin Hotz nach dem Vortrag. Sie hofft auf Förderprogramme. »Alleine schaffen wird das nicht«, sagte sie angesichts ihrer »dünnen Personalressourcen« gen Stuttgart zum zuständigen Grünen-Minister Winfried Hermann, der sich die Fußverkehrsförderung auf die Fahnen geschrieben hat.

    Neue Zebrastreifen
    Dass die Stadt auf Fördergelder spekuliert, kommentierte Dr. Ingo Rohlfs, der örtliche Vertreter des Fachverbands Fußverkehr, am Rande der Veranstaltung eher als Fehleinschätzung. Der Check sei in Stuttgart vielmehr als Anreiz konzipiert, in den betroffenen kommunalen Haushalten Geld für die Fußverkehrsförderung einzustellen.

    Das aktuelle Rampenlicht für den Fußverkehr will sein Verband für eine konkrete Forderung nutzen, verriet er weiter. »Wir wollen 144 neue Zebrastreifen für Reutlingen fordern.« (GEA)

    http://www.gea.de/region+reutlingen/reutlingen/fussverkehrs+check+b+arriere+312+im+visier.4537339.htm?mode=print

  2. beate schreibt:

    ich dachte Stefan Dvorak ist der Chef vom Stadtplanungsamt, oder?
    Damit dürfte er doch Stadtplaner sein.

    • Marc.O. schreibt:

      hallo Beate,
      ich habe mal gehört, der hätte Geografie studiert.
      Ob Geografen sich auch Stadtplaner nennen dürfen, ist mir unbekannt.

      • VEP-Blog schreibt:

        Hallo Marc,
        Stadtplaner ist ein geschützter Begriff.
        Stadtplaner darf man sich nur nennen, wenn man einen Studiengang Stadtplanung oder Architektur, Schwerpunkt Städtebau studiert und erfolgreich abgeschlossen hat UND eingetragenes Mitglied der Architekten-Kammer ist.
        Geografen können auf Nachwies einschägiger Tätigkeiten (10 Jahre unter Anleitung eines Stadtplaners) evt. Mitgleid in der Architektnkammer in der Stadtplaner-Liste werden, was aber in Baden-Würrtemberg schwer ist.
        Also Wenn Herr Dvorak sich Stadtplaner nennt, müsster er diese Anerkennung haben (ich geh mla davon aus).

  3. hannes schreibt:

    Hallo pit,
    da hast du nicht ganz unrecht, man muss sich schon wundern, wieviel „neues“ den Planern bei diesen Rundgängen „aufgehen“….
    Ob der „oberste Stadtplaner“ Stadtplaner (so einer von der Picke auf) ist, oder nur Verwaltungsbeamter, entzieht sich meiner Kenntnis, aber er wirbelt viel in der Stadt herum.

    Egal, wichtig ist nur, dass die Verwaltungsspitze und die Politik die notwendigen Änderungen erkennen und endlich handeln!!!

    Was ist aus dem Verkehrsentwicklungsplan eigentlich geworden? die letzte Änderung auf der städtischen Homepaeg sind bald ein Jahr oder mehr her……
    auch zum Radverkehr oder zur Stadtbahn: nur Ankündigungen, nichts wirklich belastbares und jetzt der Fußverkehr…..

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